Gesellschaft erwürgt Jugend

Wie oft saßen wir dort?

Schmiedeten Pläne,

lachten, gingen fort und kamen als Sieger zurück.

Unbeschwert. Laut. Wild.

Nichts schien unerreichbar.

Der Griff nach den Sternen: Selbstverständlich.

Jeder Weg wurde gegangen.

Zusammen.

Hand in Hand.

Mit einem breitem Lächeln im Gesicht.

Steine wurden ignoriert.

Irrelevant.

Felsen wurden mit Räuberleiter bestritten.

Die Erde, unsere Bühne. Das Leben, unser Spiel. Die Freiheit, unser Regisseur.

Wir schrieen, wir tanzten, wir weinten, wir kämpften, wir rannten.

Grenzenlos. Losgelöst.

Wir probierten, dramatisierten, relativierten und gewannen Erfahrungen.

Wir übertrieben, mieden, blieben und spürten Folgen.

Wir hinterfragten, taten, wagten und erlebten Fortschritte.

Probleme pusteten wir weg wie Wimpern.

Sekunden waren Jahre.

Vollgestopft mit Glück.

Und immer hofften wir.

Hofften dass dieser Plan, dieser Weg, dieses Spiel, nie enden würde. Niemals.

Inzwischen träumen wir.

Sitzen dort.

Erinnern uns.

Schauen einander an.

Das Feuer in uns: fast erloschen.

Durch Neid, Hass, Krisen, Pessimismus, Druck.

Durch die Zeit?

Blicke voller Leere.

Doch das Herz pulsiert immer noch im Takt der Rebellion.

Und du siehst ihn.

Den letzten Funken.

Und du sprichst: „Lasst uns noch einmal erheben.

Zusammen gegen den Rest der Welt.

Lasst uns noch einmal schmieden! "



P.S Es tut mir leid, dass im Moment nicht so viel über Eltern kommt, aber diese sind im Moment eher Nebensache. Inzwischen fragen wir uns nämlich echt ob man nicht gegen die gesamte Gesellschaft rebellieren sollte. Der Druck von außen wird nämlich immer deutlicher. Nicht nur die hohen Erwartungen an geistiger Reife, auch das Konkurrenzverhlaten wird uns quasi eingeprügelt. Meine Klasse kommt nächstes Jahr in die Oberstufe und folgende Sätze sind nur Teile einer langen Predigt: „Dieses Halbjahr wird an schlechten Schülern nochmal richtig aussortiert." „Das letzte Halbjahr MUSS der Höhepunkt der Pubertät gewesen sein." „Ihr wählt jetzt Profile, die in 2 Jahren Abiturprüfungen darstellen." Usw. Normal. Ganz normal. Klingt doch erstmal nicht weiter anspruchsvoll. Aber ist das wirklich normal? Jemand schnipst und sagt: „So, bis hier hin und nicht weiter. Bitte legen Sie den Schalter um und verlassen Sie die Unreife. Treffen Sie ab sofort nur noch gute Entscheidungen und streben Sie einen klasse Abschluss an. Wir weisen darauf hin, dass zum Anpassen an die Masse geraten wird und nur in Sonderfällen nicht hilfreich ist. Es wird übrigens vorausgesetzt, dass sie inzwischen wieder mit sich selbst vollkommen im Einklang sind und genau wissen was Sie wollen und wo Ihre Stärken liegen. Und nun wünschen wir Ihnen noch einen einsamen Aufenthalt in der Erwachsenenwelt." Bumm. Nur schade, dass es diesen behinderten Schalter gar nicht gibt, viele noch nicht einmal ansatzweise mit sich Im Einklang sind, geschweige denn wissen, in welchem Fach sie Abi machen wollen, und die Noten auch noch nicht so für den krassen Abschluss sprechen. Was also tun? Noch mehr Lernen, seinen Willen nach Unabhängigkeit unterdrücken und seine maximale Reife versuche so gut es eben geht zu repräsentieren. Sonst wird man ja aussortiert. Ist doch klar. Das ist doch mal ne geile Idee oder? Wir legen das Ende der Pubertät nicht nur durch krassen Druck fest, sondern verlegen es auch gleich nochmal ein paar Jährchen nach vorne. Das wird bestimmt super Endergebnisse mit sich bringen. -> Neid, Konkurrenz, Pessimismus, Krisen. All dies. Sonst nichts. Das kann ich euch sagen.

18.2.16 08:19

Letzte Einträge: Esstörungen und co., Das Auto fährt halt..., Kindsein, Mit den Nerven am Ende , "Lass uns mal ein Selfie machen", Einfach mal dankbar sein

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mausfreddy (18.2.16 10:33)

Hallo, Die Jugend heute, hat es wirklich schwer. Ich möchte nicht mehr jung sein.
Die Technik hat auch vieles kaputt gemacht. Dieser Leistungsdruck. Ich habe mich als Kind und in der Jugend frei gefühlt. Heute ist man verklemmter und alles wird auf die Goldwaage gelegt. Bist du das Wert oder ist das Schrott. Wenn du nichts Wert bist wirst du aussortiert.
LG mausfreddy


Shippuu (19.2.16 18:31)
Ein wunderschöner Text, der mich tief berührt!
Und glaube mir, auch mit 28 will man sich nicht freiwillig in diese ermüdende, routinierte, graue "Erwachsenen-Gesellschaft" integrieren...



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