1 Woche ohne Handy

Die Idee, eine Woche auf mein Handy zu verzichten, wurde eigentlich eher von meiner Deutschlehrerin als von mir angeregt. Die teilte uns nämlich neulich ein Arbeitsblatt aus, auf dem es um die negativen „Nebenwirkungen" von digitalen Medien ging. Fünf Jugendliche machten, so wurde es beschrieben, eine „digitale Diät" ,in der sie drei Wochen auf Internet, Fernsehen, Computerspiele und Handys verzichteten. Und da viele Leute sagen, die Jugend von heute sei viel zu viel am Handy, und könnte ohne es gar nicht mehr leben, kam mir nun die Idee, eine Woche mein Handy mal aus der Hand zulegen. An den ersten Tagen erwies sich dies jedoch wirklich als sehr schwierig. Anstatt das erhoffte, befreiende Gefühl, nicht immer erreichbar zu sein, zu erlangen, musste ich eigentlich nur ständig daran denken, irgendetwas zu verpassen. Zudem erschlug mich quasi am Anfang eine Welle an all den Dingen, die man normalerweise selbstverständlich mit dem Handy löst. Wie zum Beispiel die Uhrzeit lesen. So warte ich zum Beispiel jeden Morgen auf meine Freunde, damit wir zusammen zur Schule fahren können. Sind die jedoch nach 5 Minuten Wartezeit noch nicht da, fahren ich normalerweise los. Nun wusste ich aber ja leider nicht, wie lange 5 Minuten waren. Der Tag fing also schon mit kalten Fingern, undefinierbare Wartezeit und somit schlechter Laune an. Ein anderes Beispiel an unseren Klassenchat. Kein Schüler bekommt alles mit in der Schule. Und genau deswegen gibt es den Klassenchat. Wenn man etwas nicht weiß, fragt man einfach kurz nach und schwupps hat man die Antwort. Als ich mir nun einmal nicht ganz sicher war, welche Vokabeln wir aufhatten, rief ich also ganz klassisch einen Mitschüler an... Dieser jedoch ging nicht ans Telefon und da ich wenig Lust hatte die halbe Klasse jetzt abzutelefonieren, sagt ich mir einfach, dass das schon die richtige Vokabeln seien... Und man kann es sich schon fast denken: Nein, es waren natürlich die Falschen. Also alles im allen war ich in den ersten Tagen echt mies drauf.So ab dem dritten Tag fing man aber an, langsam mit der ganzen Situation klar zu kommen, zwar fühlte ich mich immer noch so ein bisschen isoliert, aber ein paar positive Aspekte zeigten sich auch schon. So schlief ich zum Beispiel echt um einiges früher ein als sonst. Ich höre nämlich eigentlich abends im Bett immer noch Musik, da dies jetzt natürlich ausfiel blieb somit keine andere Möglichkeit, als schlafen. Womit wir auch gleich das Argument „Die Jugend würde ohne ihre Handys viel mehr zu Büchern greifen" widerlegt hätten. Denn obwohl ich manchmal abends noch nicht müde war, griff ich nie zum Buch. (obwohl ich Lesen echt nicht verabscheue) Auch das Problem mit der Uhrzeit wurde am 4. Tag gelöst. Da fand ich nämlich endlich meine alte Armbanduhr wieder. War zwar nicht mehr das modischte Teil, aber es erfüllte am Morgen seinen Zweck.Und in den letzten Tagen kam nun auch endlich dieses coole Gefühl von: „ Leckt mich alle am Ar***, wenn ihr was wollt, könnt ihr ja anrufen". Ja man könnte sagen, das war echt herrlich. Auch beim Lernen wurde man nicht dauerhaft vom vibrierendem Handy abgelenkt, denn wenn man das Handy auf dem Nachtschrank andauernd aufbrirren hört, wird die Neugier dann doch irgendwann so groß, das man von seinem Mathebuch weg geht und in den „Whatsappwelten" versinkt. In der Freizeit fing ich jetzt mal wieder an zu Zeichen oder zu nähen. Und am 6. Tag, man möchte es kaum glauben, telefonierte ich mal wieder 2 Stunden mit meiner besten Freundin. Für das ewige Geschicke von Sprachnachrichten, war dies echt ein sehr schöner Ersatz. Und auch als wir uns in der Runde trafen, waren alle so fair und legten ihre Handys auch beiseite. Also so insgesamt kann man sagen, dass es am Anfang echt scheiße ist und dass einem das alles bis zum Hals steht, es aber mit der Zeit viel, viel besser wird und im Endeffekt, einen so gar viel ausgeglichener macht. Ich freue mich natürlich mein Handy jetzt wieder zu haben, fand das aber echt mal ne ganz witzige Erfahrung und werde mein Handy in Zukunft einfach mal öfters auf Flugmodus stellen.

12.10.15 11:42

Letzte Einträge: Esstörungen und co., Das Auto fährt halt..., Kindsein, Mit den Nerven am Ende , "Lass uns mal ein Selfie machen", Einfach mal dankbar sein

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Shippuu (21.10.15 07:53)
Find ich total klasse, dass du dir dieses Experiment zugetraut und es dann auch noch durchgehalten hast!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen